Buch-Tipp: Die "Kingkiller-Chronicle"-Serie

Ein absoluter Tipp für Fantasyliebhaber sind die beiden bisher erschienenen Bücher des amerikanischen Autors Patrick Rothfuss, auf den ich mehr durch Zufall als durch gezielte Suche gestoßen bin.

Durch mehrere ausgenommen gute Rezensionen im Internet bin ich auf Patrick Rothfuss' Debütwerk "The Name Of The Wind" aufmerksam geworden, mit dem der Autor den begehrten "Quill Award" in der Kategorie Fantasy/SciFi/Horror gewonnen hat. Nachdem ich mit dem ersten Buch fertig war, konnte ich das Zweite gar nicht schnell genug in die Hände bekommen und in der Zwischenzeit habe ich auch das zu Ende gelesen.

Der Nachfolger von "The Name of the Wind" (1. Buch, 722 Seiten) heißt "The Wise Man's Fear" (993 Seiten), der angekündigte dritte Teil ist bisher namenlos. Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest.


Die Serie bisher
Die erste Besonderheit der Bücher ist wohl der Erzählstil. Rothfuss lässt seinen Protagonisten "Kvothe" die Geschichte in einer Art Rückblende selbst (in der Ich-Form) erzählen. Eine gelungene Abwechslung zu der sonst so verbreiteten Erzählung in der dritten Person, die in diesem Buch nur in den Gegenwarts-Teilen vorkommt.

Immer wieder unterbricht der Autor die Rückblende um Ereignisse aus der Gegenwart zu erzählen, die mal mehr, mal weniger direkt mit der Handlung aus dem Rückblick zu tun haben. Das Tolle daran ist, dass diese "Unterbrechungen" mich niemals im Lesefluss gestört haben. Häufig werden kleine Details aus der Rückblende näher erläutert, manchmal gibt es einfach die eine oder andere Einlage aus dem gegenwärtigen Leben.

Die Personen, die mir in dem Buch begegnet sind, sind durchweg lebendig und glaubwürdig dargestellt. Selbst kleinere Nebendarsteller lassen hier und da eine tieferliegende, unerzählte Geschichte erahnen. Besonders liebenswert ist mir die Art und Weise in Erinnerung geblieben, in der Kvothe über viele Dinge erzählt, die er in jüngeren Jahren erlebt hat. Denn 'alles richtig gemacht', hat er nicht. Es fühlt sich ein bisschen so an, als säße man mit einem alten Freund zusammen, während dieser von seiner Jugend erzählt. Das ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken dieser Bücher: Ich hatte sehr schnell einen "guten Draht" zum Protagonisten. Die Welt ist eine klassische "High-Fantasy" Welt. Magie allerdings ist nicht unbekannt, wird aber nur von speziell ausgebildeten Menschen betrieben und ist eher selten. Die Universität, an der sich Kvothe einschreibt, ist der Ort, um möglichst viel darüber zu erfahren. Die Welt macht einen stimmigen Eindruck und ist keinesfalls zu abgehoben. Zauberwesen sind zwar bekannt, aber sehr selten und werden daher vom (aufgeklärten Teil des) gemeinen Volk(s) eher als Hirngespinste verstanden. Die ländliche Bevölkerung hingegen tendiert zum (teilweise) unbegründeten Aberglauben.


Worum geht es in den Büchern?
In aller Kürze: Der Protagonist erzählt seine - teils unglaubliche - Lebensgeschichte mit eigenen Worten. Kvothe ist ein hochbegabtes Ausnahmetalent, der nicht nur über eine pfeilschnelle Auffassungsgabe verfügt, sondern auch virtuos die Laute spielt, gut aussieht und ein begnadeter Schauspieler ist. Doch trotz vieler Talente ist es für ihn alles andere als einfach. Als Kind verliert er seine Eltern, muss sich durchschlagen und ist chronisch pleite. Nur durch viel Einsatz, schafft er es von der Straße wegzukommen. Er hat viel vor, will wissen, warum seine Eltern sterben mussten und wer dafür verantwortlich ist. Keine einfachen Fragen, deren Antworten im Verlauf der Geschichte immer geheimnisvoller werden.

Manchmal scheint Kvothe etwas "larger than life" zu sein und man fragt sich, was dieser Mensch eigentlich nicht kann. Trotzdem ist er niemals abgehoben, und alles, was er tut lässt sich in der Welt der Geschichte glaubhaft verargumentieren. Egal wie gut es aussehen mag, es gibt immer etwas, das den Leser (zu recht) am guten Ausgang zweifeln lässt. Langeweile gibt es so gut wie nie!

Sprachlich betrachtet ist das Buch für mich ein kleiner Schatz. Rothfuss' Sprache ist präzise, unterhaltsam und mächtig. Durch seine Erzählperspektive schafft er ein inniges Verhältnis zwischen Leser und Erzähler. Rothfuss malt mit der Sprache aussagekräftige Bilder, die dem Leser einen lebendigen und kraftvollen Eindruck der Geschehnisse vermitteln. Ich habe beim Lesen regelrecht mitgelitten, -gekämpft und -gelacht. Ein tolles Erlebnis!


Erscheinungsdetails
In Deutsch erscheint "The Wise Man's Fear" (dt. "Die Furcht des Weisen") als 2-Teiler, was aufgrund des nicht unerheblichen Umfangs des englischen Originals nicht verwundert. Ich möchte an dieser Stelle jedem, mit einem kleinen Faible für Englisch, raten die Bücher im Original zu lesen. Mir hat es enorm viel Spaß gemacht!


Viel Vergnügen beim Lesen!

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